Pollenspender

 

Pollenspendersorten
und Muttersorten

 

Kernobst wie Apfel und Birne kann sich meistens nicht selbst befruchten; es ist bei der Befruchtung auf die Pollen anderer Sorten angewiesen. Es gibt Apfelsorten, die in den Früchten viele fruchtbare Kerne entwickeln und gleichzeitig mit ihren Pollen die Blüten anderer Sorten befruchten können. Andere Sorten dagegen haben keine Pollen und entwickeln wenige oder keine fruchtbaren Kerne. Das hängt vom jeweils ererbten Chromosomensatz ab.


Unser Hausapfel (Malus pumila domestica) ist eine mehr zufällige Kreuzung aus verschiedenen nicht-heimischen Wildapfelarten. Anders als heimische Gehölze zeichnet er sich nicht durch genetische Stabilität aus.


Die Apfelblüte wird im Mai von einer Biene oder einem anderen Insekt mit den Pollen einer geeigneten Vatersorte befruchtet. In jedem Kern des heranreifenden Apfels wird nun je eine eigene Kombination zufälliger genetischer Informationen festgelegt, die oft weit von den Elternsorten abweicht - was das Züchten von Obstsorten sehr schwierig macht. Somit ist jeder Apfelkeimling einmalig und als Sorte nur über den Weg der vegetativen Vermehrung, das heißt über die Veredelung zu erhalten.


Bereits vor zweitausend Jahren haben Menschen Techniken entwickelt, die lebenden Teile (Zweige) einer geschätzten Sorte auf andere Obstbäume zu übertragen und dann verwachsen zu lassen. Unverträglichkeiten des Holzes verschiedener Sorten sind bei Äpfeln dabei eher selten.


Einige der alten Apfelsorten, die heute noch in unseren Gärten stehen, sind schon vor eintausend Jahren gekeimt und seitdem als kleines lebendes Holzstück von Generation zu Generation weitergereicht worden. Andere Apfelsämlinge entsprachen nicht dem Geschmack der jeweiligen Generation und vergingen wieder. Im heutigen Erwerbsobstbau wurde jahrzehntelang das Holz eines einzigen und zufälligen Apfelsämlings nachproduziert, der zur Zeit seiner Entstehung in der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als unwert befunden wurde. Heute ist er in jedem Supermarkt erhältlich und hat eine Karriere zur weltweiten Nummer Eins hinter sich - der Golden Delicious.

Wir wissen heute, daß einige Pollenspendersorten in der Lage sind, eine breite Palette von Apfelsorten zu befruchten. Für die Obstwiese sind das vor allem die Ananasrenette, Baumanns Renette, der Ontario, der Weiße Klarapfel und die Wintergoldparmäne. Bei vielen alten Sorten, die regelmäßig Ertrag bringen, sind die Befruchtungsverhältnisse nicht bekannt. Ihre Befruchtung ist meistens durch die Sortenvielfalt am Standort gewährleistet. Manchmal kann es jedoch vorkommen, daß nach dem Absterben eines Apfelbaumes ein anderer noch vitaler Baum plötzlich keinen Fruchtansatz mehr zeigt.


Andere Sorten sind dafür bekannt, dass sie keine Pollen an andere Sorten weitergeben (Muttersorten), wie zum Beispiel der Schöne von Boskoop, die Goldrenette von Blenheim oder der Jakob Lebel. Die Wirkung der Pollenspender auf die Befruchtung der Empfängersorten lässt mit zunehmender Entfernung nach und ist maximal so weit ausgedehnt, wie Bienen fliegen können (ca. einen bis drei Kilometer).